Hilft Schönheit bei der Karriere?

//Hilft Schönheit bei der Karriere?
Schönheit

Schönheit scheint wichtig für die Karriere zu sein. Doch stimmt es wirklich, dass gut aussehende Menschen leichter einen Job bekommen? Oder befördert werden? Ein Sprichwort sagt: „Perfektion erzeugt Aggression.“ Und das stimmt. (Bild:  © konradbak  / Fotolia)

Zwei Leute begegnen sich zum ersten Mal. Innerhalb eines Augenblicks bildet sich jeder eine erste Meinung über den anderen. Wissenschaftler untersuchten, welche Rolle die körperliche Attraktivität dabei spielt. Dabei kam zunächst wenig überraschend heraus, dass junges, frisches Aussehen mit glatter Haut und vollem Haar anziehend wirkt.

Schönheit – die Haare ziehen den Blick magisch an

Scheinbar ewig Junge gelten als Vorbilder. Haut und Haare sind für diesen Eindruck besonders wichtig, Denn sie liefern Informationen über das vermutliche Alter und den Gesundheitszustand einer Person. Die Literatur- und Kulturhistorikerin Nina Bolt erläutert: „Hängt das Haar fettig und trocken herab oder strähnig wie welkes Gras, denken andere, dass es jemand schlecht geht. Und das wirkt abschreckend.“ Stumpfes, kaputtes und struppiges Haar sorgt für einen so schlechten Eindruck, dass dieser nicht durch ein sonst gepflegtes Äußeres ausgeglichen werden kann.

Glatzköpfe gelten als potent

Wird das eigene Haar licht, lohnt zumindest bei Männern der Griff zur Rasiermaschine. Denn glatzköpfige Männer gelten als durchsetzungsfähiger, sportlicher und führungsstärker als ihre Kollegen mit ausgedünntem, längerem Haar. Das besagt zumindest eine Studie der Universität Pennsylvania.

Auch die Erwartung von Schönheit sorgt für Sympathie

Viele Kontakte im Geschäftsleben laufen über E-Mail oder auch das Telefon. Auch wenn wir nicht genau wissen, wie der Gesprächspartner aussieht, machen wir uns ein Bild. Und das beeinflusst wiederum das Verhalten.

Einige amerikanische Forscher ließen jeweils anonym einen Mann und eine Frau ein zehnminütiges Telefongespräch führen. Den männlichen Versuchspersonen wurde vor dem Telefonat ein Foto ihrer angeblichen Gesprächspartnerin gezeigt. Je nachdem, ob die abgebildete Person attraktiv war oder nicht, änderte sich das Verhalten der Männer.

Nahmen sie an, mit einer gut aussehenden Frau zu sprechen, waren sie besonders freundlich und locker und persönlich. Darauf reagierten ihre Gesprächspartnerinnen mit Entgegenkommen und Humor. Sympathie und daraus entstehende Freundlichkeit haben demnach eine Wechselwirkung. Durch die unterstellten positiven Eigenschaften reagiert der Gesprächspartner so, wie erwartet. Schöne Menschen gelten als interessant – und werden genau dadurch anziehend.

Ein Trost: Schönheit kann auch abschrecken

Doch manchmal kann Attraktivität auch hinderlich sein. Ein schöner Mensch erzeugt Neid derer, die weniger gut aussehen. Vielleicht auch deshalb ist Hilfsbereitschaft gegenüber sehr gut aussehenden Personen gering ausgeprägt. Erfüllt eine Frau das Klischee der Blondine, wird sie für dumm und naiv gehalten. Auch bei Bewerbungen um Führungspositionen schlägt attraktiven Anwärterinnen oft Misstrauen entgegen, wie die Soziologin Anke von Rennkampff in ihrer Doktorarbeit betont: „Besonders weiblich und attraktiv wirkende Frauen wurden häufiger ins Kreuzverhör genommen als ihre weniger hübschen Geschlechtsgenossinnen.“

Schönheit lassen sich immer mehr Leute viel kosten

Trotzdem bezahlen immer mehr Menschen – auch Männer – viel Geld, um ihr wahres Alter zu verbergen. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie führt regelmäßig Patienten-Befragungen zur Inanspruchnahme von Schönheitsoperationen durch. In einem DGÄPC-Verbandsmagazin heißt es: „Einen deutlichen Zuwachs verzeichnet die Gruppe der 51- bis 60-Jährigen. Hier bestätigt sich der Trend der letzten Jahre, wonach sich ästhetische Behandlungen bei den sogenannten Best Agern wachsender Beliebtheit erfreuen.“ Doch das langfristige Bemühen, auch als lebenserfahrene Person den ewigen Jugendlichen darzustellen, macht genau so krank und kaputt wie eine missglückte Schönheitsoperation. (Birgit Lutzer)

Zum Weiterlesen:

  • Bolt, N.: Haare. Bergisch-Gladbach 2001.
  • Ekman, P./Kuhlmann-Krieg, S./Reiss, K.: Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Heidelberg 2010.
  • Herbst, D.: Charisma ist keine Lampe – Wie Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzte auf uns wirken und warum. Wiesbaden 2008.
  • Renz, U.: Schönheit. Eine Wissenschaft für sich. Berlin 2014.
  • Von Renkampff, A.: Aktivierung und Auswirkungen geschlechtsstereotyper Wahrnehmung von Führungskompetenz im Bewerbungskontext. 2005
  • Storch, M./Cantieni, B./Hüther, G./Tschacher, W.: Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern 2010

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